Nach Einschätzung von Maria Wirtz sollten Unternehmerinnen und Unternehmer spätestens in ihren Fünfzigern konkrete Überlegungen zur späteren Betriebsübergabe anstellen. Die Beraterin, die selbst aus einer Handwerkerfamilie stammt und dort eine Unternehmensnachfolge erlebt hat, beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Familienunternehmen. Besonders wichtig seien für sie die Menschen hinter den Betrieben. Gleichzeitig beobachtet sie, dass Betriebsinhaber ihre Unternehmen heute häufig in einem höheren Alter übergeben als früher. Die Struktur der Nachfolgelösungen sei dagegen weitgehend konstant geblieben: Etwas mehr als die Hälfte aller Betriebe werde innerhalb der Familie weitergegeben, rund ein Drittel finde einen externen Nachfolger und etwa jeder fünfte Betrieb werde von Mitarbeitenden übernommen. Unabhängig davon, wer die Nachfolge antrete, sei ein klarer Zeitplan unverzichtbar. Ausgangspunkt müsse dabei die Frage sein, zu welchem Zeitpunkt die Übergabe erfolgen soll.
Zu einer erfolgreichen Nachfolgeregelung gehören zahlreiche Themenfelder. Neben Gesprächen mit dem Steuerberater spielen unter anderem die Bewertung des Unternehmens, Fragen der finanziellen Absicherung im Ruhestand, die Finanzierung der Übernahme sowie familiäre Aspekte eine wichtige Rolle. Aus ihrer Beratungserfahrung weiß Maria Wirtz, dass selbst unter günstigen Voraussetzungen eine Betriebsübergabe einen langen Vorlauf benötigt. Ein Zeitraum von mindestens zwölf Monaten sei die Ausnahme nicht, häufig nehme der gesamte Prozess sogar deutlich mehr Zeit in Anspruch. Umso wichtiger sei es daher, rechtzeitig aktiv zu werden. Ergänzt wurden die Workshops durch Erfahrungsberichte aus der Praxis, in denen Unternehmerinnen und Unternehmer über ihre eigenen Nachfolgeprozesse innerhalb und außerhalb der Familie berichteten.
Für die Handwerksbetriebe in der Region sieht Maria Wirtz gute Zukunftsperspektiven. Das vorhandene Potenzial gelte es konsequent zu nutzen. Voraussetzung dafür sei jedoch, die Nachfolge nicht auf die lange Bank zu schieben. Diese Empfehlung richtete sie an die über 50 Teilnehmenden der beiden Veranstaltungen der Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf.
Auch Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf, unterstreicht die Bedeutung des Themas. Die Begleitung von Betriebsübergaben und Unternehmensübernahmen gehöre seit Jahren zu den wesentlichen Aufgaben der Organisation. Dabei erfolge ein großer Teil der Unterstützung im Rahmen vertraulicher Beratungen. Darüber hinaus werden Informationsveranstaltungen, Unternehmergespräche und Workshops angeboten. Ergänzend steht mit der Internetseite www.handwerk-nachfolge.net ein eigenes Informationsportal zur Verfügung. Besonders wertvoll sei der direkte Austausch unter den Betrieben. Wenn Unternehmerinnen und Unternehmer erkennen, dass viele andere vor ähnlichen Herausforderungen stehen, entstünden wichtige Gespräche und neue Impulse für die eigene Nachfolgeplanung.
Und auch ein Beispiel aus der Praxis gab es: Till Brummert berichtete von seiner Unternehmensübernahme. Der Beelener hat Brummert Fenster und Türen zum 1.1.2026 von seinem Vater Ludger übernommen und führt das Unternehmen nun in fünfter Generation.